Als Westberlinerin konnte man schon mit 16 Jahren allein nach Ostberlin fahren - und für Frau Rosenberger begann damit der kleine Grenzverkehr zwischen West und Ost: Von Mitte der Siebziger bis 1989 war sie jedes Jahr jeweils vier bis fünf Mal in Ostberlin, auch ohne dort Familie oder Verwandte zu haben.

Zunächst mussten all die Formalitäten erledigt werden. Der Antrag für das Einreisevisum vor allem, und dann bei der Einreise das Ausfüllen der Zoll- und Devisenerklärung, die beim Verlassen von Ostberlin wieder abzugeben war.

Frau Rosenberger fuhr meist nach Ostberlin, um Noten in der Friedrichstraße einzukaufen oder um ins Museum - vor allem ins Bode- und Pergamon-Museum - oder um ins Theater zu gehen, manchmal bis zu fünf Mal im Jahr.

Die 12,50 Mark, die bei der Einreise getauscht werden mussten und nicht wieder rückgetauscht werden konnten, waren oft nicht leicht auszugeben - gerade am Wochenende war das schwierig. In Potsdam, d. h. dem Gebiet der DDR außerhalb von Berlin, waren es sogar 25 Mark - das war oft gar nicht möglich.
Und manchmal fanden sich zuhause doch noch Geldstücke in der Tasche - illegal ausgeführt aus der DDR - wie der DDR-Pfennig, den Frau Rosenberger noch heute besitzt.

Wenn man abends noch ins Theater gegangen ist, dann musste man sich sehr sputen weil man um Mitternacht wieder im Westen sein musste. Dabei waren die Kontrollen am Abend  - zumeist am Grenzübergang Friedrichstraße - stets besonders merkwürdig und unangenehm.

Diese Geschichte zitieren

“Der kleine Grenzverkehr von West nach Ost,” Berliner Grossstadtgeschichten, accessed 21. Oktober 2017, http://grossstadtgeschichten-berlin.de/items/show/68.
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ca. 1989
Zoll- und Devisenerklärung für Personen mit Wohnsitz außerhalb der DDR
CD01-005-G68-M70-IMG_5816.jpg
1981-1989
Ein Pfennig der DDR

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