Die einbändige Gesamtausgabe „J. G. Seume's – Sämtliche Werke“, die sich heute im Besitz von Herrn Flechtmann in Berlin befindet, hat eine über 170-jährige, bewegte Geschichte hinter sich.
Davon zeugen nicht nur die Gebrauchsspuren auf dem Einband, sondern auch zwei handschriftliche Einträge im Buch selbst. Sie erzählen ihre ganz eigene Geschichte, die eng mit der Familiengeschichte von Herrn Flechtmann verknüpft ist.
Das Buch erschien im Jahr 1837 in Leipzig und geriet in den folgenden Jahren in den Besitz von Wunibald Kern in Haslach im Schwarzwald, der seinen Namen (vermutlich als Besitzangabe) mit Tinte in das Buch eintrug: „Wunibald Kern, Haslach“. Kern lebte von 1794 bis 1875, war Schmied und Haslacher Aktivist der 1848er Revolution.
Später ging das Buch dann in den Besitz von Otto Kilgus über, der wiederum seine Besitzansprüche mit Bleistift im Buch vermerkte: „Otto Kilgus, Waldteufel, Haslach“. Waldteufel war der Spitzname des Hutmachers Otto Kilgus (1852-1889), der als naturverbundener Mensch galt und sich am liebsten im Urenwald aufhielt. Dort kletterte er bei Haslacher Festen gerne auf eine (heute fast 200 Jahre alte) Eiche, um an der obersten Spitze die Fahne zu hissen. Dies wurde ihm 1887 zum Verhängnis: Er stürzte kopfüber von der Eiche und verletzte sich schwer. Kilgus erholte sich nie ganz von diesem tragischen Sturz und verstarb zwei Jahre später.
Über Otto Kilgus, den Großonkel der Mutter von Herrn Flechtmann, gelangte das Buch schließlich in dessen Besitz – und gemeinsam mit ihm nach Berlin.

Diese Geschichte zitieren

“Ein bewegtes Bücherleben – von Haslach nach Berlin,” Berliner Grossstadtgeschichten, accessed 21. August 2017, http://grossstadtgeschichten-berlin.de/items/show/725.
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1837
Buch: J. G. Seume's – Sämmtliche Werke, Seume, Johann Gottfried

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