Weitere interessante Exlibris
Dieses Exlibris stammt aus der Privatbibliothek des deutsch-jüdischen Literaturwissenschaftlers und Direktors des Märkischen Museums Otto Pniower, welche nach dessen Tod im Jahr 1932, auf veranlassen des damaligen Bürgermeisters Berlins, von der Berliner Stadtbibliothek zu einem Betrag von 25.000 RM erworben wurde.
Später stellte sich jedoch heraus, dass man die Bibliothek weit über den wahren Wert geschätzt und erstanden hat. Darüber hinaus sind Bücher aus Pniowers Bibliothek in Berliner Antiquariaten aufgetaucht, womöglich entwendet vom Schriftsteller Paul Zech, welcher damals in der Berliner Stadtbibliothek arbeitete und Anfang August 1933 das Land verließ. Zudem war es den Nazis mit Sicherheit ein Dorn im Auge, jährliche Raten von 1.500 RM an die Witwe eines Juden zu zahlen.
Dies alles wurde zum Anlass genommen den damaligen Direktor der Stadtbibliothek, Gottlieb Fritz, zum 01. Mai 1934 in den Ruhestand zu schicken. Er wurde ersetzt durch den national-konservativen Wilhelm Schuster.
Siehe auch:
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Rückblick und Zukunft: 100 Jahre Zentral- und Landesbibliothek Berlin/ Ulrike Wahlich ; mit einem Nachwort von Claudia Lux.– Wien: K·G·Saur, 2001. – 254 Seiten
ISBN 3-598-11555-5 (Seite 69 ff.) -
Bibliotheken während des Nationalsozialismus: Teil 1. Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens, Band 16/ herausgegeben von Peter Vodosek und Manfred Komorowski.– Wiesbaden: Otto Harrassowitz, 1989. – 562 Seiten
ISBN 3-447-02947-1 (Seite 261 ff.) - Volksbibliothekare im Nationalsozialismus. Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens, band 50/ herausgegeben von Sven Kuttner und Peter Vodosek.– Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2017. – 324 Seiten
ISBN 978-3-447-10720-4 (Seite 37 ff.)
Dieses Exlibris wurde von der Jüdischen Winterhilfe herausgegeben. Nachdem die jüdische Bevölkerung von den karitativen Maßnahmen des Winterhilfswerks (WHW), auf Grund der Nürnberger Gesetze ausgeschlossen wurde, rief die Reichsvertretung der Juden in Deutschland im Oktober 1935 zur Gründung einer jüdischen Winterhilfe auf. Die Ausgrenzung der Juden durch das NS-Regime, die zunehmende Überalterung der jüdischen Bevölkerung durch die Auswanderung der arbeitsfähigen Jugend, die sinkenden finanziellen Mittel und behördliche Schikane erschwerten die Arbeit des Hilfswerks ungemein. Im Sommer 1939 wurde das Winterhilfswerk zangsweise in in die Abteilung "Fürsorge" der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland eingegliedert. im Juni 1943 wurde die Reichsvereinigung und somit auch die Winterhilfe aufgelöst, zusammen mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager.
Siehe auch: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ausgrenzung-und-verfolgung/juedische-winterhilfe.html zum Objekt
Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) wurde September 1933 gegründet, um schnell und vor allem sichtbar die Folgen von Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dies wurde bewerkstelligt, in dem unter anderem großangelegte Sammelaktionen durchgeführt in denen von Tür zu Tür gegangen wurde und die Hausbewohner zu 'freiwilligen' Sachspenden aufgerufen wurden. Während dies zwar nicht die effektivste Art der Spendensammlung war, ließ sie sich bestens für propagandistische Zwecke nutzen. Eine weitere Einnahmequelle war das »Opfer von Lohn und Gehalt«, bei dem Arbeitgeber verpflichtet waren, einen Anteil des an die Arbeitnehmer ausgezahlten Gehalts an das WHW zu überweisen. Bis 1933 konnte sich das WHW dem ideologischen Zwang des NS-Regimes entziehen, in dem es grundsätzlich allen Notleidenden half. Ab Ende 1936 wurden Juden jedoch auf jüdische Wohlfahrtsstellen verwiesen. Der Alliierten Kontrollrat löste das Winterhilfswerk am 10. Oktober 1945 auf und beschlagnahmte das gesamte Eigentum. zum Objekt
Das Bild dieses Exlibris zeigt den Eingang zum Saal der Leipziger Stadtbibliothek, wie dieser um das Jahr 1900 aussah. Diese wurde im Jahr 1683 als Bibliotheca Senatus Lipsiensis aus den Nachlässen von Dietrich von Bocksdorf, Syndikus Peter Freitag und Huldreich Groß, zum Nutzen der studierenden Stadtjugend gegründet. Anfangs noch im Obergeschoss des Zeug- und Gewandhauses an der Universitätsstraße beheimatet, zog die Bibliothek 1755 in ein eigens errichtetes Bibliotheksgebäude am Gewandgässchen, zwischen Neumarkt und Universitätsstraße, um 1832 wurde die Bibliothek in Leipziger Stadtbibliothek umbenannt. In der Bombennacht des 4. Dezembers 1943 wurden die Leipziger Stadtbibliothek und fast ihr gesamter Buchbestand zerstört. Es folgten mehrere provisorische Standorte für die verschiedenen Bücherhallen der Stadt, welche 1958 in der Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig zusammengefasst wurden.
Siehe auch: https://stadtbibliothek.leipzig.de/wir-ueber-uns/geschichte/ zum Objekt
Dieses Exlibris stammt von der Preußischen Hauptkadettenanstalt, welche von 1878 bis 1920 in Berlin Lichterfelde bestand. Diese wurde nach ihrer Errichtung schnell zu einer der wichtigsten Ausbildungsstätten des deutschen Reichs in der mehrere Generationen von späteren Spitzenoffizieren ausgebildet wurden. Da im Versailler Vertrag festgelegt war, dass alle militärischen Einrichtungen aufzulösen sind, wurde das Gebaüde in ein Realgymnasium umgewandelt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Gebäude wieder von verschiedenen Militärorganisationen benutzt. Ab 1934 wurden die Gebüde ausschließlich von der Leibstandarte SS Adolf Hitler genutzt. Nach Ende des 2. Weltkrieges nutze das US-Militär den Gebäudekomplex unter dem namen »Andrews Barracks«. Nach Abzug der Alliierten Streitkräfte 1994 fiel das Grundstück an den Bund. Heute befindet sich dort eine Außenstelle des Bundesarchivs.
Siehe auch:
- https://www.berliner-woche.de/lichterfelde/c-bildung/vom-kadettenschloss-zum-bundesarchiv_a112844
- https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/denkmale/denkmale-der-alliierten/usa/steglitz-zehlendorf/andrews-barracks-647562.php
- http://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Meta/Ueber-uns/Dienstorte/Berlin-Lichterfelde/berlin-lichterfelde.html
- http://jensites.com/bbr/site/index.php?cat=ge&page=ge_02&lang=de
Diese Exemplare haben wir aus unserem Bestand herausgesucht, weil jedes von ihnen eine reiche Geschichte erzählen kann, welche wir versucht haben in kurzen Texten zusammenzufassen.