In den 1970er, mit Mitte 20, ist Elke Schmidt oft frühmorgens mit einem Freund durch die Stadt gestreift und hat Fotos gemacht. Von den vielen Hinterhöfen mit den ramponierten Mietskasernen und Ruinen, von Orten an der Grenze zwischen Ost und West.
Das "Haus Vaterland" am Potsdamer Platz war ein ganz besonderes Motiv, befand es sich doch nach dem Mauerbau direkt auf dem breiten Grenzstreifen der DDR zwischen Berlin-Mitte und Tiergarten. Durch den Gebietsaustausch 1972 wurde dieser Bereich Westberlin zugeschlagen, so daß der Zugang zu der Ruine möglich wurde.
Der frühere Glanz des 1928 eröffneten Kempinsky-Vergnügungspalastes mit dem einst größten Café der Welt ließ sich trotz der verfallenen Bausubstanz noch erahnen. Die breiten geschwungenen Aufgänge, die großen Hallen und sogar die Küchen mit den vielen Herden im Kellerbereich waren noch gut erkennbar.
Mitbringsel aus dem Haus Vaterland, die Frau Schmidt heute noch besitzt, sind eine Kachel von Villeroy & Boch, wahrscheinlich eine Fußboden-Kachel, und ein großes, grünes "A" aus Blech. Dieser Buchstabe könnte die Rückseite eines der drei "A's" aus der Leuchtschrift des Hauses sein. Ganz im Gegensatz zu den Anfangsjahren hatten die Buchstaben des Namenszuges in den 40igern Serifen, wie auch dieses Fundstück.
Zwei weitere Begebenheiten aus dieser Zeit sind Frau Schmidt heute noch so gegenwärtig wie vor 40 Jahren.So erinnert sie sich, dass an einem sehr frühen Sonntagmorgen in Kreuzberg 36 plötzlich Pferdegetrappel durch die Gassen hallte. Es kam immer näher, ohne daß die Quelle das Geräusches zu sehen war. Dann bog ein einsamer berittener Polizist in die Straße ein, galoppierte an den sprachlosen Spaziergängern vorbei und verschwand an der nächsten Straßenecke wieder.
An einem anderen Tag beobachtete sie am Bethaniendamm gleich neben dem Mariannenplatz die Entsorgung von großen Autoteilen auf eine ganz besondere Art: Am besetzten Georg-von-Rauchhaus schwenkten junge Leute die schweren Teile solange hin und her, bis diese soviel Schwung hatten, daß sie den Flug über die Mauer schafften. Sehr zum Vergnügen und unter lautem Gejohle aller Anwesenden auf der West-Seite und wohl eher zum Leidwesen der Grenzsoldaten der DDR auf der Ostseite.